Ihr mentales Bild vom Mars braucht ein Software-Update. Vergessen Sie den staubigen, eintönigen roten Ball. Es sieht langweilig aus. Es ist falsch.

Der Mars-Express-Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation hat gerade einige wirklich seltsame Bilder veröffentlicht. Wir sprechen von einem ausgedehnten Feld, das weniger wie eine Wüste aussieht, sondern eher wie geschmolzenes Chrom, das über den Boden eines alten Einschlagskraters gegossen wurde. Es schreit nach Science-Fiction. Es erfordert Fragen.

Was genau sehen wir?

Spoiler-Alarm: Es ist kein Metall.

Diese schimmernden Wellen sind dunkle Sanddünen. Aber sie sind mit saisonalem Frost überzogen. Hauptsächlich Kohlendioxid. Oder wie wir es auf der Erde nennen: Trockeneis.

Wie saisonaler Frost die Chrom-Illusion erzeugt

Während des Marswinters dringt die Kälte in diese Hochlandbecken ein. Trockeneis setzt sich auf allem ab. Es entsteht eine klare, kontrastreiche Szene. Hier ist der visuelle Trick am Werk. Der Sand darunter ist schwarz. Denken Sie an Basalt. Es absorbiert Licht aggressiv. Der Frost oben drauf? Es reflektiert Licht. Es wird direkt auf die Kamera zurückgeworfen.

Das Zusammenspiel zwischen dem hellen, dunklen Sand und dem reflektierenden weißen Eis erzeugt diesen metallischen Glanz. Es ist eine optische Täuschung, die aus extremen Kontrasten entsteht. Die Landschaft sieht geschmiedet aus. Es ist nicht geschmolzen. Es ist gefroren. Und blies.

Welcher Krater beherbergt diese außerirdische Landschaft?

Der Standort ist wichtig. Diese Dünen ziehen sich wellenförmig über den Grund des Kaiserkraters. Ein riesiges Einschlagbecken mit einer Breite von 129 Meilen (207 km). Es liegt im südlichen Hochland. Die NASA stellt fest, dass diese Schüsselform wie ein riesiger Sandfang wirkt. Der Wind drückt den Sand hinein. Er lässt ihn selten wieder heraus.

Der Sand türmt sich also auf.

Warum ist der Sand schwarz? Der Name „Roter Planet“ stammt vom Mars aus Eisenoxidstaub. Aber nicht hier. Diese Dünen bestehen aus feinem vulkanischem Basalt. Sie enthalten Pyroxen- und Olivonmineralien. Dunkler. Schärfer. Sie heben sich vom verrosteten Hintergrund der übrigen Welt ab.

Von der Größe her sind sie imposant. Wir reden von kilometerlangen Graten. Sie ragen über 100 Meter – also 320 Fuß – über das umliegende Gelände hinaus. Das sind drei Stockwerke hohe Dünen, aber verteilt auf einer Fläche von der Größe eines Kleinstaates.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Sandvorrat tatsächlich begrenzt ist. Durch die Lücken kann man immer noch den Kraterboden sehen. Wie baut man so große Türme mit so wenig Material? Geduld. Wind. Und zwar sehr lange.

Warum der Wind immer noch über eine tote Welt herrscht

Dies führt zu einem seltsamen Widerspruch. Der Mars ist dünn. Seine Atmosphäre ist eine Geisterversion unserer eigenen. Ein Hundertstel des Drucks. Es blutet langsam in den Weltraum. Man könnte meinen, schwache Winde könnten nichts Schweres heben.

Doch hier sind die Dünen. Hoch aufragend. Geformt.

Die vorherrschende Theorie besagt, dass die Marswinde seit Tausenden von Jahren stark genug waren, um dieses Zeug zu bewegen. Oder vielleicht waren sie viel druckvoller, als die Atmosphäre vor Milliarden von Jahren dicker war. Diese Formationen sind Hinweise auf eine dichtere Vergangenheit. Sie sind geologischer Memory-Schaum, der daran erinnert, wann der Mars länger den Atem anhielt.

Mars Express ist kein Neuling darin, coole Sachen zu finden. Es kreist seit 2003 und hat kürzlich 30 Staubteufel verfolgt, die durch Mamers Valles tanzen. Anfang dieses Jahres entdeckte es Shalbatana Vallis – Täler, die vor 3,5 Milliarden Jahren durch Überschwemmungen geformt wurden. Dieser Ort erstreckt sich so weit wie Italien. Dann ist da noch die Asche. Frische Vulkanasche bedeckt große Flächen, entweder neu verteilt oder freigelegt, als älterer Staub weggeblasen wurde. Gerade in den letzten fünfzig Jahren.

Wir nennen den Mars trostlos. Von weitem fühlt es sich leer an.

Aber schauen Sie genauer hin.

Es gibt Überschwemmungen, die Schluchten über die gesamte Länge von Nationen geformt haben. Es gibt Winde, die schwarzes Vulkangestein polieren, bis es wie eine verchromte Stoßstange glänzt. Die Oberfläche ist beschäftigt. Ruhig, aber beschäftigt.

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