Sie war nicht nur hübsch. Sie war gefährlich.

Lee Remick wusste, wie man eine Frau in Schwierigkeiten unwiderstehlich aussehen ließ. Während ihr Vater ein Kaufhaus in Quincy, Massachusetts, besaß, war sie damit beschäftigt, ihre Flucht nach New York City zu planen. Die Scheidung erfolgte früh. Ihre Mutter, eine Schauspielerin namens Patricia, zog sie dort auf. Remick besuchte eine exklusive Privatschule. Sie studierte Tanz. Sie wollte im Rampenlicht stehen.

1952 arbeitete sie im Sommerlager in Hyannis. Zwei Jahre später kam sie in Be Your Age auf den Broadway. Es folgte das Fernsehen. Dann kam der große Durchbruch.

1957 wurde sie von Elia Kazan für „A Face in the Crowd“ besetzt. Es war ein kleiner Anfang. Doch ihre nächste Rolle veränderte alles. Der lange, heiße Sommer (1958) machte sie zum Star. Sie spielte neben Paul Newman und Joanne Woodward eine kokette Ehefrau. Regie führte Martin Ritt. Der Film basiert auf einem Roman von William Faulkner. Remick war angekommen.

Die Oscar-Nominierung, die ihre Karriere definierte

Man wird nicht für einen Oscar nominiert, wenn man nett ist. Ihre einzige Oscar-Nominierung erhielt Remick für „Tage des Weins und der Rosen“ (1962). Sie spielte eine Hausfrau, die dem Alkoholismus verfällt. Regie führte Blake Edwards. Jack Lemmon war ihr Co-Star. Die Leistung wurde gelobt. Es war roh. Es war echt.

Vor dieser Nominierung hatte sie bereits bewiesen, dass sie mit düsterem Material umgehen kann. In Otto Premingers „Anatomy of a Murder“ (1959) spielte sie ein zweifelhaftes Vergewaltigungsopfer. Der Film war wegen seines expliziten Umgangs mit sexuellen Übergriffen umstritten. Drei Jahre später spielte sie die Hauptrolle in „Sanctuary“ (1961), der auf zwei Faulkner-Romanen basiert. Sie spielte wieder dubiose Opfer. Es war ein Muster.

Dann kam Wild River (1960). Montgomery Clift spielte die Hauptrolle. Remick spielte eine verwitwete Mutter ohne Bildung. Regie führte erneut Elia Kazan. Die Chemie war elektrisierend. Die Rollen waren komplex. Remick spezialisierte sich auf sinnliche, oft erotische Frauen in Krisen.

Broadway-Rückkehr und spätere Rollen

Die 1960er Jahre hielten sie beschäftigt. Sie arbeitete mit James Garner in „The Wheeler Dealers“ (1963). Sie spielte neben Steve McQueen in „Baby the Rain Must Fall“ (1965). Dieser Film basiert auf einem Theaterstück von Horton Foote.

Auch sie kehrte auf die Bühne zurück. 1964 trat sie im Musical „Anyone Can Whistle“ auf. Zwei Jahre später war sie in Wait Until Dark zu sehen. In dem Drama wird eine blinde Frau in ihrem eigenen Haus von drei Kriminellen terrorisiert. Die Rolle brachte ihr eine Nominierung für den Tony Award ein.

„Remick wurde mit ihrer nächsten Filmrolle, einer koketten Ehefrau in ‚The Long, Hot Summer‘, zum Star.“

Die 1970er Jahre brachten einen Wandel. Die Rollen wurden seltsamer. In „Der Detektiv“ (1968) spielte sie eine sexuell unersättliche Ehefrau. In „Sometimes a Great Notion“ (1971) war sie die Frau eines umkämpften Holzfällers. Dann war da noch „The Omen“ (1976). Sie spielte die Adoptivmutter eines Teufelskindes.

Sie war mit der Genrearbeit noch nicht fertig. In Telefon (1977) war sie Geheimagentin. In „Die Europäer“ (1979) spielte sie eine mittellose Baronin.

Fernsehen und Abschlussjahre

Filmrollen wurden weniger. Das Fernsehen übernahm. In den 1970er und 1980er Jahren trat Remick in vielen Fernsehfilmen und Miniserien auf. Sie spielte die Titelrolle in Jennie: Lady Randolph Churchill (1975). Sie spielte Kay Summersby, die „andere Frau“ in Ike: The War Years (1979). In The Letter (1982) verkörperte sie eine Ehebrecherin.

Ihren letzten Auftritt hatte sie 1989. Sie spielte Sarah Bernhardt in der Miniserie In 80 Tagen um die Welt.

Es endete mit einer Krankheit. Remick kämpfte zwei Jahre lang gegen Nieren- und Lungenkrebs. Sie starb am 2. Juli 1991 in Los Angeles, Kalifornien. Sie war 55 Jahre alt.

Sie hinterließ eine Filmografie von Frauen, die nicht nur litten. Sie haben verführt. Sie haben gekämpft. Sie sind kaputt gegangen. Das war Lee Remick.