Die britische Regierung räumt ein, dass die wachsende Zahl von Rechenzentren – die für die Bereitstellung digitaler Dienste wie Streaming und künstliche Intelligenz (KI) unerlässlich sind – ein „von Natur aus ungewisses“ Risiko für das rechtsverbindliche Netto-Null-Emissionsziel des Landes bis 2050 darstellt. Dieses Eingeständnis erfolgte auf Druck von Abgeordneten, die in Frage stellten, ob diese energieintensiven Einrichtungen bei der Klimaplanung angemessen berücksichtigt wurden.
Schnelle Expansion gibt Anlass zur Sorge
In ganz Großbritannien sind Dutzende neuer Rechenzentren geplant, die größtenteils von US-amerikanischen Technologieunternehmen finanziert werden. Diese Anlagen benötigen große Mengen Strom und Wasser, wobei einige auf gasbetriebene Generatoren angewiesen sind, was Befürchtungen aufkommen lässt, dass sie trotz des Engagements der Regierung für erneuerbare Energien die Emissionen erheblich erhöhen könnten.
Das Vereinigte Königreich wirbt aktiv um Investitionen in Rechenzentren als Teil seiner Strategie, weltweit führend im Bereich KI zu werden. Allerdings hat der sprunghafte Anstieg der Nachfrage nach Netzanschlüssen die Regulierungsbehörden bereits überfordert; Ofgem meldet Vorschläge für 140 neue Anlagen, die 50 Gigawatt Leistung benötigen – 5 GW mehr als der aktuelle Spitzenbedarf Großbritanniens. Diese Belastung der Infrastruktur könnte den Fortschritt auf dem Weg zum Ziel von 95 % sauberem Strom für 2030 gefährden.
Reaktion und Kontrolle der Regierung
Energieminister Ed Miliband erklärte, dass die staatliche Modellierung das Wachstum der gesamten Stromnachfrage berücksichtigt, einschließlich Rechenzentren, räumt jedoch ein, dass die zukünftige Nachfrage weiterhin unvorhersehbar sei. Der Umweltprüfungsausschuss hat eine Untersuchung eingeleitet, um den Energie- und Wasserverbrauch dieser Anlagen sowie ihre möglichen Auswirkungen auf die Netto-Null-Ziele zu bewerten.
Unterschiedliche Ansichten
Während einige argumentieren, dass die Sperrung von Rechenzentren dem Wirtschaftswachstum schaden würde, kritisieren andere – darunter Kampagnengruppen wie Foxglove und Friends of the Earth – die Regierung dafür, dass sie Projekte genehmigt, ohne die Folgen für die Umwelt vollständig zu verstehen. Ein Sprecher wies darauf hin, dass, wenn alle vorgeschlagenen Rechenzentren online gehen würden, sie täglich mehr Strom verbrauchen könnten, als das gesamte Land derzeit verbraucht.
Der konservative Schattenenergieminister schlägt vor, dass ein „rationalerer Ansatz“ die Nutzung von KI-gesteuertem Wachstum bei gleichzeitiger Konzentration auf den Export sauberer Technologielösungen beinhaltet.
Die zentrale Frage bleibt bestehen: wirtschaftliche Ambitionen mit Klimaverpflichtungen in Einklang zu bringen, in einer Welt, in der die Datennachfrage rapide zunimmt und die tatsächlichen Umweltkosten unklar bleiben.
