Ein neues Diagnosetool für zu Hause – direkt in eine Menstruationsbinde integriert – könnte Frauen eine häufige, nicht-invasive Überwachung ihrer Fruchtbarkeit ermöglichen. Der Test verwendet Menstruationsblut, um das Anti-Müller-Hormon (AMH) zu messen, einen Schlüsselindikator für die Eierstockreserve (die Menge der verbleibenden Eizellen). Dieser Ansatz macht wiederholte klinische Blutuntersuchungen oder Laborbesuche überflüssig und könnte die Art und Weise, wie Frauen ihre reproduktive Gesundheit überwachen, revolutionieren.

Die Bedeutung von AMH

Der AMH-Spiegel nimmt mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise ab, was ihn zu einem wertvollen Indikator für die Fruchtbarkeit macht. Hohe AMH-Werte weisen auf ein reichliches Eizellenangebot hin, während niedrige Werte auf eine verminderte Eierstockreserve oder eine frühe Menopause hinweisen können. Traditionell erfordert die Beurteilung von AMH eine klinische Blutabnahme oder einen Fingerabdrucktest, die beide eine Laboruntersuchung erfordern, bevor Ergebnisse verfügbar sind.

So funktioniert der neue Test

Die von Forschenden der ETH Zürich entwickelte Innovation nutzt einen Lateral-Flow-Assay – ähnlich einem COVID-19-Schnelltest. Das Pad enthält an Goldnanopartikel gebundene Antikörper, die mit AMH im Menstruationsblut reagieren und eine sichtbare Linie auf dem Teststreifen erzeugen. Je dunkler die Linie, desto höher die AMH-Konzentration. Eine Smartphone-App, die darauf trainiert ist, Bilder des Teststreifens zu analysieren, kann noch genauere Messwerte liefern.

Kontinuierliche Überwachung mit der Menstruationsbinde

Das Forschungsteam hat den Test direkt in eine Menstruationsbinde integriert und ermöglicht so eine passive und häufige Überwachung des AMH-Spiegels während der Periode einer Frau. Diese Längsschnittdaten könnten Trends aufzeigen, die bei Einzeltests sonst übersehen würden. Die potenziellen Anwendungen gehen über die Verfolgung der Eierstockreserve hinaus. AMH-Werte können auch auf Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder in seltenen Fällen auf Eierstocktumoren hinweisen.

Herausforderungen und Zukunftsaussichten

Obwohl der Test praktisch und leicht zugänglich ist, weisen einige Experten darauf hin, dass die Interpretation der Ergebnisse zu Hause sorgfältige Überlegungen erfordert. Die klinische Interpretation ist eine zentrale Herausforderung bei jedem medizinischen Test zu Hause. Außerdem können AMH-Tests die Eizellenqualität nicht bestimmen. Dennoch betonen die Entwickler, dass der Test keine klinischen Tests ersetzen soll, sondern eine kostengünstige, nicht-invasive Alternative darstellen soll.

„Menstruationsblut ist eine nicht ausreichend genutzte Ressource, die eigentlich viel versprechend für die Gesundheitsüberwachung insgesamt ist.“ – Lucas Dosnon, ETH Zürich

Dieses Tool hat das Potenzial, die Gesundheit von Frauen zu verändern, indem es ihnen häufig zugängliche Daten über ihren Fruchtbarkeitsstatus zur Verfügung stellt. Die Benutzerfreundlichkeit und die geringen Kosten können zu einer häufigeren Überwachung führen, was zu einer früheren Erkennung potenzieller Probleme und fundierteren Entscheidungen im Bereich der reproduktiven Gesundheitsfürsorge führt.