Archäologen in Norwegen haben einen bemerkenswert erhaltenen Goldring aus der Wikingerzeit entdeckt, der einen auffälligen blauen Edelstein enthält. Der Fund, der bei Ausgrabungen in Tønsberg – der ältesten Stadt Norwegens – gemacht wurde, wird von Experten als „fantastisch schönes und seltenes Exemplar“ gefeiert.
Entdeckung und Kontext
Der Ring wurde während laufender archäologischer Arbeiten im Zentrum von Tønsberg ausgegraben, einem Ort, an dem sich einst eine geschäftige mittelalterliche Stadt befand, die im 9. Jahrhundert gegründet wurde. Die Stadt befand sich unter einem königlichen Burgkomplex, der von der Yngling-Dynastie erbaut wurde, was die historische Bedeutung der Region als Macht- und Handelszentrum unterstreicht. Die Archäologin Linda Åsheim, die die Entdeckung machte, beschrieb ihre erste Reaktion als ungläubig und erklärte, sie sei „völlig erschüttert“ über den Fund.
Ringbeschreibung und Datierung
Der Ring selbst besteht aus zarten Goldfäden, die zu einem komplizierten Muster um einen ovalen blauen Stein gedreht sind, wahrscheinlich ein Saphir oder ein hochwertiges kobaltfarbenes Glas. Als zusätzliche Verzierung sind in das Design kleine, aufgelötete Goldkugeln eingearbeitet. Archäologische Datierungen, die auf dem Stil der Goldschmiedekunst basieren, legen die Entstehung des Rings zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert fest. Diese Handwerkskunst hat ihren Ursprung im Byzantinischen Reich und wurde im frühen Mittelalter durch Handel und kulturellen Austausch nach Norwegen gebracht.
Bedeutung des Fundes
Die Größe des Rings lässt darauf schließen, dass er einer hochrangigen Frau gehörte, mit einem geschätzten Fingerumfang zwischen 50 und 55 Millimetern (US-Damenringgrößen 5 1/2 bis 7 1/2). Das Tragen eines solchen Schmucks diente wahrscheinlich als Symbol für Reichtum und soziale Stellung. Über den Status hinaus könnte der blaue Edelstein selbst eine tiefere kulturelle Bedeutung gehabt haben. Im Mittelalter glaubte man, dass Saphire göttliche Macht repräsentieren, die Keuschheit fördern und sogar medizinische Eigenschaften besitzen, beispielsweise zur Heilung von Hautkrankheiten.
Seltenheit und historischer Wert
Der Fund ist besonders bemerkenswert, da Goldringe in Tønsberg selten zu finden sind. Dies ist erst der zweite derartige Fund in fünfzehn Jahren. Der Ring bietet wertvolle Einblicke in das Leben der Elitefrauen im mittelalterlichen Norwegen und zeigt das Ausmaß ihres Reichtums, ihrer Mode und ihres Glaubenssystems.
„Es ist 15 Jahre her, seit wir in Tønsberg das letzte Mal einen Goldring gefunden haben, und dieser hier ist ein traumhaft schönes und seltenes Exemplar“, sagte Hanne Ekstrøm Jordahl, Projektmanagerin bei NIKU.
Dieser Fund unterstreicht den anhaltenden historischen Reichtum der mittelalterlichen Vergangenheit Norwegens und die anhaltende Bedeutung der archäologischen Forschung für die Aufdeckung dieser verborgenen Schätze.
