Wissenschaftler haben einen neuartigen Impfstoffkandidaten entwickelt, der über Nasenspray verabreicht wird und in Tiermodellen einen bemerkenswert breiten Schutz zeigt. Dieser einzelne Impfstoff schützt nicht nur vor Viren wie SARS-CoV-2, sondern auch vor häufigen bakteriellen Infektionen und sogar allergischen Reaktionen – eine Leistung, die bisher als unerreichbar galt.
Universelle Immunität: Ein neuer Ansatz
Herkömmliche Impfstoffe bereiten das adaptive Immunsystem darauf vor, bestimmte Krankheitserreger zu erkennen. Das bedeutet jährliche Grippeschutzimpfungen und ständige Anpassungen zur Bekämpfung sich entwickelnder Viren. Dieser neue Impfstoff mit der Bezeichnung GLA-3M-052-LS+OVA umgeht diese Einschränkung, indem er auf die anfängliche Immunantwort des Körpers – das angeborene System – abzielt. Im Gegensatz zur adaptiven Immunität, die sich im Laufe der Zeit entwickelt, bietet die angeborene Immunität sofortigen, aber kurzlebigen Schutz. Das Forschungsteam entdeckte einen Weg, diese angeborene Reaktion künstlich über Monate aufrechtzuerhalten und so eine Art „universellen“ Schutzschild zu schaffen.
Schneller Schutz und reduzierte Viruslast
Bei Mäusen beschleunigten drei Dosen des Nasensprays die Immunantwort auf SARS-CoV-2 dramatisch. Während es bei typischen Lungenabwehrkräften zwei Wochen dauert, bis sie mobilisiert sind, starteten geimpfte Mäuse innerhalb von drei Tagen einen Gegenangriff. Die Viruslast in der Lunge wurde im Vergleich zu ungeimpften Kontrollpersonen um das erstaunliche 700-fache reduziert. Der Schutz vor dem Virus hielt mindestens drei Monate an.
Jenseits von Viren: Bakterien und Allergien
Die Wirksamkeit des Impfstoffs geht über virale Bedrohungen hinaus. Es schützte Mäuse auch vor Staphylococcus aureus und Acinetobacter baumannii, antibiotikaresistenten Bakterien, die häufig in Krankenhäusern auftreten. Noch überraschender war, dass die Exposition gegenüber Hausstaubmilben bei geimpften Tieren deutlich geringere asthmatische Reaktionen auslöste, was zu einer geringeren Produktion von Immunzellen und einer geringeren Schleimbildung führte. Dies deutet auf ein Potenzial für eine langfristige Linderung von Allergien hin.
Wie es funktioniert: Adaptive und angeborene Immunität überbrücken
Forscher fanden zuvor heraus, dass bestimmte T-Zellen angeborene Immunzellen über längere Zeiträume aktiv halten können. Der neue Impfstoff ahmt dieses Signal nach und erhält die angeborene Immunität künstlich aufrecht, lange nachdem sie normalerweise nachgelassen hätte. Dieser „Ruf zu den Waffen“ hält den Körper in höchster Alarmbereitschaft, aber die entscheidende Frage ist, ob diese anhaltende Aktivierung beim Menschen sicher erreicht werden kann.
Der Weg in die Zukunft
Versuche am Menschen sind der nächste entscheidende Schritt. Bei Erfolg könnte dieser Impfstoff innerhalb von fünf bis sieben Jahren verfügbar sein. Experten warnen davor, dass Wirksamkeit und Sicherheit in der Praxis zwar vielversprechend, aber noch nicht bewiesen sind. Die Aufrechterhaltung eines ständigen Bereitschaftszustands des Immunsystems könnte unbeabsichtigte Nebenwirkungen auslösen, aber die potenziellen Vorteile – ein einziges Spray schützt vor einer Vielzahl von Atemwegserkrankungen und Allergien – sind transformativ.
„Stellen Sie sich vor, Sie bekommen in den Herbstmonaten ein Nasenspray, das Sie vor allen Atemwegsviren schützt, einschließlich COVID-19, Influenza, Respiratory-Syncytial-Virus und Erkältung sowie bakterieller Lungenentzündung und Frühjahrsallergenen. Das würde die medizinische Praxis verändern.“ – Bali Pulendran, Stanford-Mikrobiologe.
Diese Forschung stellt einen Paradigmenwechsel in der Impfstoffentwicklung dar. Durch die Konzentration auf die grundlegenden Abwehrkräfte des Körpers statt auf die Jagd nach bestimmten Krankheitserregern haben Wissenschaftler möglicherweise eine neue Ära der Breitbandimmunität eingeläutet.

























