Die britische Regierung wird die Wanderwegejagd in England und Wales verbieten und damit ein wichtiges Manifestversprechen erfüllen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund hartnäckiger Vorwürfe, dass die Praxis als Deckmantel für illegale Wildtierjagden dient. Während die Spurenjagd selbst dazu führt, dass Hunde künstlichen Duftspuren statt lebender Beute folgen, bieten Kritiker ein Schlupfloch für die Fortführung traditioneller Jagdaktivitäten.
Die Praxis und Kontroverse
Die Wanderjagd entstand, nachdem das Jagdgesetz von 2004 die traditionelle Fuchsjagd mit Hunden verbot. Das Gesetz verbot die vorsätzliche Verfolgung und Tötung wildlebender Säugetiere, doch die Spurenjagd – die Verwendung von Duftspuren, die mit tierischen Nebenprodukten angelegt wurden – blieb legal, da sie nicht direkt mit der Tötung einherging.
Allerdings haben Organisationen wie die League Against Cruel Sports Hunderte mutmaßlicher Vorfälle dokumentiert, bei denen die Jagd auf Spuren in die Jagd auf lebende Tiere überging. Dies hat zu Vorwürfen geführt, die Aktivität sei eine Fassade für illegale Jagd.
Politische Spaltung und Auswirkungen auf den ländlichen Raum
Das Verbot hat im gesamten politischen Spektrum heftige Reaktionen ausgelöst. Der Vorsitzende der Konservativen Partei nannte es „einen Angriff auf das ländliche Großbritannien“, während Nigel Farage von Reform UK die Regierung als „autoritäre Kontrollfreaks“ bezeichnete. Ländliche Gemeinden und Jagdgruppen haben Befürchtungen geäußert, dass das Verbot der lokalen Wirtschaft und Traditionen schaden wird.
Ein Landwirt erklärte in einem anonymen Gespräch mit der BBC, dass ihm Ächtung droht, wenn er sich öffentlich gegen das Verbot ausspricht, und betonte die tiefe kulturelle Bedeutung der Jagd in manchen Gebieten. Die Countryside Alliance argumentiert, dass der Schritt unnötig sei und parlamentarische Zeit verschwende, da das Gesetz von 2004 die Jagdpraktiken bereits einschränkte.
Begründung der Regierung und nächste Schritte
Die Labour-Regierung besteht darauf, dass das Verbot notwendig sei, um eine Gesetzeslücke zu schließen und die illegale Jagd auf Wildtiere zu verhindern. Tierschutzministerin Baroness Hayman erklärte: „Es gibt Bedenken, dass die Spurenjagd als Deckmantel missbraucht wird … und das ist nicht akzeptabel.“
Die Minister planen, sich im neuen Jahr über die Einzelheiten des Verbots zu beraten, bevor sie die Gesetzgebung finalisieren. Das Verbot gilt nicht für Nordirland, wo die Jagd mit Hunden weiterhin legal ist, oder für Schottland, wo die Wanderjagd bereits verboten ist.
Dieses Verbot markiert eine deutliche Eskalation der langjährigen Debatte über Jagdpraktiken im Vereinigten Königreich. Es unterstreicht die Spannungen zwischen Tierschutzanliegen, ländlichen Traditionen und politischen Prioritäten. Der Schritt dürfte die Spaltungen zwischen städtischen und ländlichen Wahlkreisen vertiefen und gleichzeitig eine weitere Überprüfung der Durchsetzungsmechanismen zur Gewährleistung der Einhaltung des neuen Gesetzes nach sich ziehen.

























