Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben eine bahnbrechende Methode zur Datenverarbeitung mithilfe der Abwärme elektronischer Geräte demonstriert. Anstatt Wärme als Nebenprodukt abzuwerfen, haben sie mikroskopisch kleine Siliziumstrukturen entworfen, die thermische Energie für die Durchführung von Berechnungen nutzen – ein Konzept, das die Energieeffizienz in Hochleistungsanwendungen wie künstlicher Intelligenz revolutionieren könnte.

Wie es funktioniert: Analoges Rechnen mit Wärme

Die in Physical Review Applied veröffentlichte Forschung beschreibt passive Siliziumstrukturen, die die Wärmeverteilung über die Oberfläche eines Chips präzise steuern. Diese Strukturen basieren nicht auf herkömmlicher Elektronik; Stattdessen nutzen sie die Naturgesetze der Wärmeleitung, um Wärmeenergie als Daten zu kodieren. Dieser Ansatz stellt einen Wandel hin zum analogen Rechnen dar, bei dem kontinuierliche physikalische Werte (Temperatur, Wärmefluss) binäre Einsen und Nullen ersetzen.

Wichtige Erkenntnisse : Das Team hat Wärme, die traditionell als Abfallprodukt galt, im Wesentlichen in eine nutzbare Form von Informationen umgewandelt.

Wegfall von Sensoren und Steigerung der Effizienz

Die Innovation des MIT-Teams bietet mehrere potenzielle Vorteile. Erstens könnte dadurch die Notwendigkeit mehrerer Temperatursensoren auf Chips entfallen, was Platzbeschränkungen und Komplexität verringert. Noch wichtiger ist, dass die Technik eine Wärmeerkennung und Temperaturmessung in Echtzeit ermöglicht, ohne den Energieverbrauch zu erhöhen.

Dies ist besonders relevant für Hochleistungsrechneraufgaben, bei denen eine übermäßige Wärmeentwicklung eine große Herausforderung darstellt. Durch die Einbettung dieser Strukturen in mikroelektronische Systeme hoffen die Forscher, KI-Workloads und andere anspruchsvolle Prozesse energieeffizienter zu machen.

Von der Simulation zur Realität: Skalierung der Technologie

In Simulationen führten die Strukturen erfolgreich eine Matrix-Vektor-Multiplikation mit einer Genauigkeit von über 99 % durch. Die Matrixmultiplikation ist für maschinelles Lernen und Signalverarbeitung von grundlegender Bedeutung, aber die Skalierung dieses Ansatzes für komplexe Aufgaben wie große Sprachmodelle (LLMs) würde Millionen miteinander verbundener Siliziumstrukturen erfordern.

Die Forschung baut auf früheren MIT-Arbeiten aus dem Jahr 2022 auf, die sich auf die Entwicklung nanostrukturierter Materialien konzentrierten, die den Wärmefluss steuern können. Das Team erforscht derzeit Anwendungen in den Bereichen Wärmemanagement, Wärmequellenerkennung und Temperaturgradientenüberwachung, um Chipschäden ohne zusätzlichen Strombedarf zu verhindern.

„Wenn man Berechnungen in einem elektronischen Gerät durchführt, entsteht meistens Wärme als Abfallprodukt … Aber hier haben wir den umgekehrten Ansatz gewählt, indem wir Wärme als eine Form der Information selbst nutzen“, erklärt Caio Silva, Hauptautor der Studie.

Das ultimative Ziel besteht darin, ein seit langem bestehendes technisches Problem – verschwendete Wärmeenergie – in eine neue Rechenressource umzuwandeln. Diese Forschung deutet auf eine Zukunft hin, in der Geräte nicht nur Daten verarbeiten, sondern aus der Wärme, die sie erzeugen, lernen.

попередня статтяSaturnmonde: Eine gewalttätige Geschichte von Kollisionen und Ringen