Die stille Herausforderung der Ärzteschaft – wie man mit dem Rückgang der Fähigkeiten erfahrener Chirurgen umgeht – wird immer sichtbarer. Ein aktueller Fall in einem Krankenhaus im Süden veranschaulicht einen wachsenden Trend: Selbst hochqualifizierte Ärzte können kognitive Beeinträchtigungen erleiden, die ihre Fähigkeit, komplexe Operationen durchzuführen, beeinträchtigen.
Der Fall: Zögern im Operationssaal
Ein 78-jähriger chirurgischer Onkologe sorgte bei seinen Kollegen für Aufregung. Sein Auftritt im O.R. zeigte Zögern und verließ sich auf die Anleitung von Assistenten, was den Chefarzt der Chirurgie dazu veranlasste, eine formelle Beurteilung zu verlangen, bevor er seine Praxiszulassung erneuerte. Dies ist kein Einzelfall.
Programm für alternde Chirurgen des Sinai-Krankenhauses
Seit 2015 führt das Sinai Hospital in Baltimore ein Programm zur Untersuchung von Chirurgen über 75 Jahren durch. Das Programm umfasst eine strenge zweitägige körperliche und kognitive Beurteilung. Rund 30 Chirurgen im ganzen Land haben sich diesen Tests unterzogen. Der fragliche Fall wurde nicht selbst eingereicht; Der Arzt wurde zur Teilnahme gezwungen.
Leichte kognitive Beeinträchtigung und berufliche Anpassungen
Die Untersuchung ergab eine leichte kognitive Beeinträchtigung – eine Erkrankung, die nicht immer zu Demenz führt, aber dennoch komplexe chirurgische Fähigkeiten beeinträchtigen kann. Der Neuropsychologe kam zu dem Schluss, dass die Schwierigkeiten des Chirurgen wahrscheinlich seine Fähigkeit beeinträchtigen würden, Eingriffe mit hohem Risiko durchzuführen. Allerdings hat das Krankenhaus den Ruhestand nicht erzwungen. Stattdessen wurde der Chirurg aus dem OP entfernt. Er durfte jedoch weiterhin Patienten in einer Klinik behandeln und dabei sein jahrzehntelang gesammeltes Wissen nutzen.
Dieser Ansatz spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass Erfahrung auch dann wertvoll bleibt, wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen. Die Frage ist nicht mehr, ob Ärzte altern, sondern wie man die Patientensicherheit gewährleisten und gleichzeitig die Beiträge erfahrener Fachkräfte respektieren kann. Dieser Fall ist eine Erinnerung daran, dass sich das medizinische System an die Realität einer alternden Belegschaft anpassen muss und dass eine proaktive Bewertung und durchdachte Übergangspläne erforderlich sind.
