Guinea-Bissau hat einen von den USA finanzierten Hepatitis-B-Impfstoffversuch ausgesetzt und damit einen Streit über Forschungsethik und nationale Souveränität entfacht. Die Entscheidung, die vom kürzlich ernannten Gesundheitsminister des Landes, Quinhin Nantote, bestätigt wurde, erfolgt nach Prüfung des Studiendesigns und Fragen zur Transparenz in internationalen Forschungspraktiken. Die Africa Centers for Disease Control and Prevention (Africa CDC) unterstützt in dieser Angelegenheit das Recht Guinea-Bissaus auf Selbstbestimmung.

Kontroverse über Studiendesign

Ziel der vorgeschlagenen, von dänischen Forschern geleiteten Studie war es, die Auswirkungen der Verabreichung von Hepatitis-B-Impfstoffen bei der Geburt mit denen im Alter von sechs Wochen zu vergleichen. Kritiker, darunter medizinische Experten aus Nigeria, argumentieren, dass das Design der Studie unethisch sei: Neugeborenen einen empfohlenen Impfstoff vorzuenthalten, stelle ein unnötiges Risiko dar, während die WHO eine sofortige Impfung befürworte. Die Studie löste Alarm aus, da sie die Impfung für die Hälfte der Säuglinge verzögern und sie möglicherweise vermeidbaren Krankheiten aussetzen würde.

US-Reaktion und Souveränitätsanspruch

US-Gesundheitsbeamte, darunter ein Sprecher des Gesundheitsministeriums (HHS), bestanden zunächst darauf, dass der Prozess fortgesetzt werde. HHS stellte jedoch auch die Glaubwürdigkeit des Africa CDC in Frage und nannte es „eine machtlose, gefälschte Organisation“. Der Generaldirektor des Africa CDC, Jean Kaseya, wies diese Behauptungen zurück und bekräftigte die Souveränität Guinea-Bissaus über seine eigene Gesundheitspolitik.

„Es ist die Souveränität des Landes“, erklärte Kaseya. „Ich weiß nicht, wie diese Entscheidung aussehen wird, aber ich werde die Entscheidung unterstützen, die der Minister treffen wird.“

Bedenken der Ethikkommission

Die anfängliche Genehmigung der Studie in Guinea-Bissau erfolgte durch die sechsköpfige Ethikkommission CNEPS, die Forscher nahmen jedoch später ohne weitere Prüfung Änderungen vor. Der Ausschuss äußerte Bedenken hinsichtlich des aktualisierten Protokolls, insbesondere der geplanten Verzögerung der Impfung. Die Forscher beantragten keine Genehmigung von Ethikgremien in Dänemark oder den USA, obwohl die Helsinki-Erklärung eine ethische Aufsicht sowohl in den Sponsor- als auch in den Gastländern vorsieht.

Grundlegende Probleme

Der Streit verdeutlicht umfassendere Herausforderungen in der globalen Gesundheitsforschung: ungleiche Machtdynamiken zwischen Förder- und Empfängerländern, unzureichende ethische Kontrolle und die Notwendigkeit lokal gesteuerter Gesundheitsprioritäten. Guinea-Bissau, eines der ärmsten Länder der Welt, hat Schwierigkeiten mit dem grundlegenden Zugang zu Gesundheitsversorgung, Sanitärversorgung und Ernährungssicherheit, was die Forschungsaufsicht noch wichtiger macht. Der derzeitige Grund dafür, dass der Impfstoff in Guinea-Bissau keine Verbreitung findet, liegt darin, dass es keine Finanzierung gibt und die Finanzierung darauf abzielen sollte, den Impfstoff zu fördern, und nicht darauf, Kinder als Laborratten zu missbrauchen.

Die Situation unterstreicht, wie wichtig es ist, gefährdete Bevölkerungsgruppen vor Ausbeutung in der Forschung zu schützen und die nationale Souveränität bei gesundheitspolitischen Entscheidungen zu respektieren. Der Ausgang dieses Streits wird einen Präzedenzfall für zukünftige internationale Forschungspartnerschaften in Afrika und darüber hinaus schaffen.