Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Priesterinnen im antiken Griechenland und Rom möglicherweise absichtlich einen hochgiftigen Pilz verändert haben, um psychedelische Erlebnisse für Eingeweihte von Mysterienkulten zu schaffen. Die Studie ist zwar kein endgültiger Beweis, zeigt aber, dass alte Technologie den Pilz psychoaktiv gemacht haben könnte, ohne eine tödliche Vergiftung auszulösen.
Die Theorie der „psychedelischen Eleusis“.
Seit Jahrzehnten diskutieren Wissenschaftler darüber, ob die berühmten eleusinischen Mysterien – die am meisten verehrten geheimen religiösen Riten der Antike – auf Halluzinogenen beruhten. Die führende Hypothese mit dem Titel „Psychedelic Eleusis“ geht davon aus, dass der Mutterkornpilz, eine starke bewusstseinsverändernde Substanz, der Schlüssel zu den intensiven und transformativen Erfahrungen der Sekte war. Ein großes Hindernis war jedoch immer die inhärente Toxizität von Mutterkorn. Unbehandelt verursacht es Ergotismus, eine schwächende und oft tödliche Erkrankung.
Experimenteller Beweis der antiken Verarbeitung
Forscher der Universität Athen haben jetzt in Scientific Reports experimentelle Beweise veröffentlicht, die zeigen, dass Mutterkorn nur mit Techniken, die den alten Griechen zur Verfügung standen, sicherer gemacht werden kann. Sie fanden heraus, dass die Behandlung des Pilzes mit Lauge – einer einfachen alkalischen Lösung aus Wasser und Asche – die toxischen Proteine effektiv abbaut und gleichzeitig halluzinogene Verbindungen wie Lysergsäureamid (LSA), eine Vorstufe von LSD, konserviert.
„Die zentrale Frage war, ob giftiges Mutterkorn mit den in der Antike verfügbaren Methoden realistischerweise zu etwas Psychoaktivem, aber nicht Tödlichem hätte verarbeitet werden können“, sagt der Pharmazeutische Wissenschaftler Evangelos Dadiotis.
Die eleusinischen Mysterien: Ein historischer Kontext
Im Mittelpunkt der eleusinischen Mysterien stand die Verehrung von Demeter, der Göttin des Ackerbaus, und ihrer Tochter Persephone, deren Mythos von Entführung und Rückkehr aus der Unterwelt den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt symbolisierte. Jährlich versammelten sich Eingeweihte in Eleusis, um an geheimen Ritualen teilzunehmen, darunter Prozessionen, Fasten, Tieropfer und der Verzehr von kykeon – einem Getränk auf Gerstenbasis, von dem man annimmt, dass es das Gefäß für den psychoaktiven Wirkstoff darstellt.
Der Einfluss des Kultes erstreckte sich über das gesamte Römische Reich, und sogar Kaiser wurden zu Eingeweihten. Die Mysterien waren absolut geheim und ihre wahre Natur ist bis heute teilweise unklar.
Kykeon und mögliche Beweise
Die neue Studie legt nahe, dass die alten Griechen dem Kykeon behandelte Mutterkornextrakte zugesetzt haben könnten, um den bitteren Geschmack mit Kräutern wie Pennyroyal zu überdecken. Diese Theorie wird dadurch gestützt, dass Spuren psychoaktiver Verbindungen in einer zeremoniellen Vase aus einer eleusinischen Stätte in Spanien und in antikem Zahnbelag entdeckt wurden.
Achtung: Machbarkeit vs. Beweis
Während die Studie zeigt, dass die alten Griechen Mutterkorn sicher hätten verarbeiten können, warnen Wissenschaftler davor, Machbarkeit mit historischer Gewissheit gleichzusetzen. Wie der Religionswissenschaftler Sharday Mosurinjohn betont:
„Chemische Machbarkeit ist kein historischer Beweis … Die Studie hat weder gezeigt, dass diese Art der Verarbeitung in der Antike angewendet wurde, noch dass Eingeweihte die psychoaktiven Dosen während der Rituale der Eleusinischen Mysterien konsumiert hatten.“
Die eleusinischen Mysterien sind nach wie vor voller Geheimnisse, aber diese Forschung bietet ein überzeugendes Puzzleteil. Es bleibt die Frage, ob antike Priesterinnen Mutterkorn absichtlich nutzten, um halluzinatorische Zustände hervorzurufen, oder ob die Macht des Kults in anderen, weniger chemisch getriebenen Praktiken lag.























